Pauluskirche
Die evangelische Pauluskirche liegt im Zentrum der Stadt Hamm. Seit 1985 steht sie unter Denkmalschutz.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte und Baubeschreibung
Die weithin in alle Stadtteile sichtbare Pauluskirche (alt: Nro 73) ist das älteste monumentale Bauwerk der Stadt Hamm. Sie hat sämtliche Brände im Mittelalter und im 18. Jahrhundert überstanden. Dabei wurde die originale Bausubstanz stark angegriffen. Beim Wiederaufbau 1746 - nach dem Stadtbrand von 1741 - wurde der spätgotische Spitzhelm durch eine barocke Haube ersetzt. Diese ist auf Vorkriegsfotos noch gut zu erkennen. Eine durchgreifende Sanierung erfolgte in den Jahren 1893 bis 1895, das Dach der Pauluskirche wurde im Jahr 1928 neu eingedeckt. Die im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Pauluskirche wurde in den Jahren 1952 bis 1954 wiederhergestellt. 2006 wurden sowohl die Außenfassade als auch der Innenraum grundlegend saniert. Seit 2007 schmückt den Turm eine neue Turmuhr. Der Turm mit einer Höhe von 79,30 Metern gilt als eine der schönsten Turmlösungen in Westfalen. Der heutige Turmhelm, der 1961 entstand, orientiert sich an der ursprünglichen Form.
Im Kern kann das Bauwerk auf eine Kirche zurückgeführt werden, die bald nach der Gründung der Stadt durch Graf Adolf I. von der Mark am Aschermittwoch des Jahres 1226 entstanden ist. Wesentliche Teile des Chores, das Querhaus und das Chorvorjoch dürften noch dem späten 13. Jahrhundert entstammen. In die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts wird die Errichtung des Turmes und des dreischiffigen Langhauses datiert.
Ausstattung
In der Pauluskirche haben sich drei Epitaphe (Gedenksteine) aus dem 17. und 18. Jahrhundert erhalten. Im Südschiff befindet sich ein aus Baumberger Sandstein gefertigte Gedenkstein eines im Jahr 1609 Verstorbenen. Die allgemein vertretene Ansicht, es handele sich um eine verstorbenen Tochter - wahrscheinlich Elisabeth - der Familie Pentling (Pentlinck) aus Münster (a Monster), ist nicht haltbar. Vielmehr handelt es sich um das Epitaph des Pentling von Münster. Den Gedenkstein des Heinrich von Wrede († 1614) im Hauptschiff, der ebenfalls aus Baumberger Sandstein gefertigt wurde, zieren 16 Wappen. Im Hauptschiff fand nach dem Zweiten Weltkrieg auch der Gedenkstein des Johannes Du Buisson († 1726) seinen Platz. Er war Generalmajor und Kurator des Akademischen Gymnasiums.[1] An der Südwand des Chores wurde schließlich der Grabstein des Johann Diedrich von Lemgow (Johan Dietrich von Lemgow) († 1653) eingemauert, der bei der Tieferlegung des Fußbodens in den 1950er Jahren aufgefunden worden war. Aus der Familie von Lemgow gingen vom 15. bis 17. Jahrhundert mehrere Hammer Bürgermeister hervor. Seit 1967 befindet sich im nördlichen Querschiff die von der Hamburger Orgelbaufirma von Beckerath gebaute Orgel.
Pfarrgemeinde
Die mit der Kirche im Mittelalter verbundene Pfarrei entstand durch Abpfarrung von der Kirche in Mark am 17. April 1337. Mit dem Wirken des Carolus Gallus setzt sich ab 1562 das reformierte Bekenntnis durch. Die reformierte Gemeinde unterhielt seit dem frühen 17. Jahrhundert eine Elementarschule. Diese befand sich seit 1775 am Marktplatz. Das erste reformierte Pfarrhaus befand sich im 18. Jahrhundert an der Antonistraße (= ehemalige Sandstraße/Ecke Katzengraben), das zweite reformierte Pfarrhaus, das 1748 vom Freiherrn von Rynsch zu Caldenhof angekauft worden war, an der Königstraße.[2] Heute bildet die Gemeinde den Gemeindebezirk I der Kirchengemeinde Hamm.
Pfarrer
Erster Pfarrer
- 1562 - 1576: Carolus Gallus, 1. Pfarrer
- 1601 - 1621: Heinrich Rappaeus, 1. Pfarrer
- 1621 - 1662: Johann Heinrich Rappaeus, 1. Pfarrer
- 1664 - 1690: Bernhard Erasmus Avermann, 1. Pfarrer
- 1690 - 1712: Simon Moritz Humanus, 1. Pfarrer
- 1713 - 1718: Georg Christoph Bernhard Schuchard, 1. Pfarrer
- 1718 - 1720: Friedrich Gerlach Kemper, 1. Pfarrer
- 1721 - 1743: Johann Heinrich Thienen, 1. Pfarrer
- 1743 - 1757: Johann Gottfried Peill, 1. Pfarrer
- 1763 - 1794: Gerhard Rübel, 1. Pfarrer
- 1794: Rulemann Ludwig Eylert, 1. Pfarrer
- 1795 - 1846: Jakob Wülfingh, 1. Pfarrer
- 1846 - 1871: Karl Platzhoff, 1. Pfarrer
- 1871 - 1890: Udo Richter, 1. Pfarrer
Zweiter Pfarrer
- 1678 - 1696: Heinrich Carp, 2. Pfarrer
- 1795 - 1806: Rulemann Friedrich Eylert, 2. Pfarrer
- 1838 - 1846: Karl Platzhoff, 2. Pfarrer
- 1846 - 1870: Heinrich Gosebruch, 2. Pfarrer
Fotos
- Zu diesem Artikel gibt es zusätzlich eine Fotoseite.
Presseberichte
- Zu diesem Artikel gibt es eine Sonderseite mit Presseberichten
Anschrift
Gemeindebüro
Martin-Luther-Straße 27b
59065 Hamm
Telefon: (02381) 142-133
Telefax: (02381) 142-100
Weblinks
- http://www.kirchenkreis-hamm.de/gemeinden/hamm.html - Kirchenkreis Hamm
- http://www.kirchenmusik-hamm.de.vu/ - Musik an der Pauluskirche Hamm
- Hamm.de: Pauluskirche
Geografische Koordinaten der Pauluskirche
Koordinaten: 51° 40' 10" n. Br., 7° 49' 11" ö. L.
Anmerkungen
- ↑ Wolfgang Komo - Hermann Josef Sieberg: Dem edlen, hochangesehenen Helden - Die Widmung der Otia parerga des Wilhelm Neuhaus an den Generalmajor Johannes Du Buisson, in: Professoren, Studenten, Bücher. Hamm im 17. und 18. Jahrhundert, hrsg. im Auftrag der Stadt Hamm von Volker Pirsich, Hamm 2009, S. 235-242, hier S. 236.
- ↑ Andreas Schulte: Das zweite reformierte Pfarrhaus, in: Professoren, Studenten, Bücher. Hamm im 17. und 18. Jahrhundert, hrsg. im Auftrag der Stadt Hamm von Volker Pirsich, Hamm 2009, S. 32f.
Literatur
- August Bobe: Pauluskirche Hamm, hrsg. von der Evangelischen Kirchengemeinde Hamm, 1989.
- Friedrich Wilhelm Jerrentrup: Mittelalterliche Kirchen in Hamm, in: Zeitspuren. Die Anfänge der Stadt Hamm, hrsg. von Georg Eggenstein – Ellen Schwinzer, Bönen 2001, S. 108-110.
- Andreas von Scheven: Orgel in der Pauluskirche mit reicher Klangvielfalt. Restaurierungsarbeiten 2005 gaben interessante Rückblicke auf vergessene Innengestaltungen, in: Unser Westfalen 2007, S. 78.
- Arnold Torhorst: Die alten Epitaphe in der Pauluskirche zu Hamm, in: Jahrbuch für Westfälische Kirchengeschichte 75, 1982, S. 185-197.