Peer Steinbrück

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Peer Steinbrück (* 10. Januar 1947 in Hamburg) ist ein deutscher Politiker (SPD). Von 2002 bis 2005 war Steinbrück Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, von 2005 bis 2009 Bundesminister der Finanzen und stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender. Seit 2009 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages. Am 9. Dezember 2012 wurde Peer Steinbrück vom SPD-Parteitag zum Kanzlerkandidaten der SPD für die Bundestagswahl 2013 gewählt.

Herkunft und Familie

Peer Steinbrück kam als erster von zwei Söhnen der Eheleute Ernst (1914–1998) und Ilse Steinbrück (1919–2011) in Hamburg zur Welt. Peer Steinbrücks Vater, Ernst Steinbrück, war in Danzig geboren und in Heringsdorf und Stettin aufgewachsen; nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er in Hamburg als Architekt. Peer Steinbrücks Großvater Herbert Steinbrück, Ingenieur und Betriebsleiter der Stettiner Portland-Cement-Fabrik, wurde zu Ende des Zweiten Weltkriegs bei Swinemünde durch ein Standgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet, weil er sich geweigert hatte, das sinnlose Kommando über eine Truppe von Hitlerjungen und Volkssturmmännern zu übernehmen. Ein Urgroßvater Peer Steinbrücks hatte eine Angehörige der großbürgerlichen Familie Delbrück geheiratet. Die Familie Steinbrück selbst war seit 1717 in Pommern ansässig; zu ihr gehörten viele Pastoren, unter anderem die als Geschichtsforscher hervorgetretenen Stettiner Pastoren Joachim Bernhard Steinbrück und Johann Joachim Steinbrück.

Peer Steinbrücks Eltern hatten 1943 in Stettin geheiratet. Seine Mutter, als Ilse Schaper geboren, entstammte einer Hamburger Kaufmannsfamilie und hatte mütterlicherseits dänische Wurzeln. Mitte der 1930er-Jahre, während des Zeit des Nationalsozialismus, verbrachte sie längere Zeit bei ihren Verwandten in Dänemark und Schweden, um so dem Bund Deutscher Mädel zu entgehen.

Peer Steinbrück wuchs in bürgerlichen Verhältnissen in einem Mietshaus im damalig proletarisch geprägten östlichen Teil von Hamburg-Uhlenhorst auf.

Steinbrück lebt im Bonner Stadtteil Plittersdorf und hat eine Zweitwohnung in einem Bauprojekt von Eva Högl im Berlin-Wedding Sprengelkiez. Er ist seit 1975 verheiratet mit Gertrud Steinbrück, geb. Isbary (* 1950). Frau Steinbrück war bis zu ihrer Pensionierung im Juli 2013 Lehrerin für Biologie und Politik am evangelischen Amos-Comenius-Gymnasium Bonn. Gemeinsam haben sie einen Sohn und zwei Töchter. Eine Cousine Steinbrücks ist mit dem in der Deutsche Demokratische Republik bekannt gewordenen Schauspieler Lutz Riemann verheiratet.

Schulbildung und Konfession

Er besuchte die altsprachliche Gelehrtenschule des Johanneums, die er wegen schlechter Noten in der Sekundarstufe I verlassen musste. Steinbrück wiederholte während seiner gesamten Schulzeit (1953 bis 1968) zweimal ein Schuljahr und absolvierte im Abschlussjahr 1968 die fachgebundene Hochschulreife (Fachrichtung Wirtschaft) an der Staatlichen Handelsschule Am Lämmermarkt in Hamburg-Hohenfelde. Steinbrück trat mit 18 Jahren aus der evangelischen Kirche aus.

Bundeswehr und Studium 1968 bis 1974

Von 1968 bis 1970 absolvierte Steinbrück als Zeitsoldat (SaZ 2) bei der Fernmeldeeinheit des Panzergrenadierbrigade 31 in Oldenburg-Bümmerstede seinen Grundwehrdienst in der Bundeswehr und eine Ausbildung als Reserveoffizieranwärter des Heeres. Sein derzeitiger Dienstgrad ist Leutnant. Ab dem Sommersemester 1970 studierte er Volkswirtschaftslehre mit dem Nebenfach Soziologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wo auch der schleswig-holsteinische FDP-Politiker Wolfgang Kubicki zu seinen Kommilitonen zählte. Das Studium schloss er 1974 als Diplom-Volkswirt ab.

Berufliche Tätigkeit 1974 bis 1990

Nach dem Studium arbeitete er ab 1974 zunächst im Rahmen eines 15-monatigen Werkvertrages für das Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau. 1976 bemühte sich Steinbrück um eine befristete Anstellung in diesem Ministerium, die ihm wegen Sicherheitsbedenken verwehrt wurde. Steinbrück vermutet, dass dies mit der 1972 erfolgten Durchsuchung der Wohngemeinschaft, die er während seines Studiums in Kiel bewohnte, zusammenhing: Es habe der Verdacht bestanden, dort verstecke sich eine Terroristin der Rote Armee Fraktion. In der Folge war er zunächst einige Monate arbeitslos, bis er im Herbst 1976 seine Karriere im Öffentlichen Dienst im neuen Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung beginnen konnte. 1977 wurde er persönlicher Referent der Minister Hans Matthöfer und Volker Hauff im Bundesministerium für Forschung und Technologie. Für Matthöfer schrieb Steinbrück Reden. Von Juni 1978 bis zum Februar 1981 war Steinbrück als wissenschaftlicher Mitarbeiter des höheren Dienstes (offiziell Hilfsreferent) im Kanzleramt von Helmut Schmidt tätig. Er hatte dort eine Stelle im Spiegelreferat zum Bundesministerium für Forschung und Technologie inne. 1981 arbeitete Steinbrück in der Ständige Vertretung in Ost-Berlin, wo er in der Abteilung Wirtschaft tätig war. 1981/82 war er wieder persönlicher Referent, diesmal zuständig für Bundesforschungsminister Andreas von Bülow.

Nach dem Bruch der Sozialliberale Koalition|sozialliberalen Koalition unter Bundeskanzler Helmut Schmidt im Herbst 1982 wurde Peer Steinbrück beruflich freigestellt, bis er im Frühjahr 1983 als Referent der SPD-Bundestagsfraktion tätig wurde. 1985 wechselte er ins Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen. 1986 wurde er Büroleiter des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau; diese Tätigkeit übte er bis 1990 aus.

Politische Laufbahn

Staatssekretär in Schleswig-Holstein

1990 wechselte Steinbrück als Staatssekretär in die Landesregierung Schleswig-Holsteins unter Ministerpräsident Björn Engholm, zunächst in das Ministerium für Natur, Umwelt und Landesentwicklung (bis 1992), dann in das Ministerium für Wirtschaft, Technik und Verkehr (bis 1993).

Landesminister in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen

Am 19. Mai 1993 wurde Steinbrück zum Minister für Wirtschaft, Technik und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein ernannt (Kabinett Simonis I und Kabinett Simonis II). Dieses Amt übte er bis zum 28. Oktober 1998 aus, um dann zurück nach Nordrhein-Westfalen zu gehen, wo er ab dem 28. Oktober 1998 zunächst das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (Kabinett Clement I) und ab dem 22. Februar 2000 das Finanzministerium des Landes Nordrhein-Westfalen (Kabinett Clement I und Kabinett Clement II) leitete. Nach Medienberichten soll Steinbrück Ende der 1990er Jahre interessiert gewesen sein, Präsident eines Sparkassen- und Giroverbandes zu werden, was jedoch an Widerständen in der SPD scheiterte.

Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen

Am 6. November 2002 wurde Steinbrück zum Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen (Kabinett Steinbrück) gewählt. Er trat damit die Nachfolge von Wolfgang Clement an, der das Amt aufgegeben hatte, um Bundesminister für Arbeit und Wirtschaft zu werden. Nachdem die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Steinbrück bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2005 mit 37,1 % ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in NRW seit 1954 erreichte und auch die Grünen Stimmen verloren, büßte die ihn stützende rot-grüne Koalition ihre Mehrheit im Landtag ein. Die neue Mehrheit im Landtag wählte infolgedessen Jürgen Rüttgers (CDU) am 22. Juni 2005 zum neuen Ministerpräsidenten.

Bundesfinanzminister in der großen Koalition

Am 22. November 2005 wurde Steinbrück als Bundesministerium der Finanzen in die von Bundeskanzlerin Angela Merkel geführte Bundesregierung (Deutschland) berufen. Er kündigte an, die Politik von Hans Eichel fortzusetzen, unter anderem sollten Private Equity und Real-Estate-Investment-Trusts gefördert werden. Der Handel mit „Verbriefung“, die später als „Schrott-Papiere“ bekannt wurden, sollte „aus Sicht des Bundesfinanzministeriums“ unbedingt erleichtert werden, ließ sein Staatssekretär Jörg Asmussen verkünden, und dem folgte die BMF-geleitete Gesetzgebung.

Auszeichnungen

  • 2006: Georg-Schulhoff-Preis der Handwerkskammer Düsseldorf
  • 2007: Big Brother Award für die Einführung der lebenslang gültigen Steuer-Identifikationsnummer für alle Einwohner Deutschlands
  • 2008: Politik und Kommunikation: als „Politiker des Jahres“.
  • 2011: (Für Unterm Strich) Das politische Buch; Friedrich-Ebert-Stiftung
  • 2011: Cicero-Rednerpreis]]
  • 2011: „Doktor der Wirtschaftswissenschaft ehrenhalber“ (doctor rerum politicarum honoris causa – Dr. rer.pol. h.c.); Ehrendoktorwürde der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU)

Mitgliedschaften

  • seit 1969 Mitglied der Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD).
  • seit 2010 Aufsichtsrat von Borussia Dortmund
  • seit Januar 2010 für fünf Jahre Aufsichtsrat von ThyssenKrupp. Nach seiner Wahl zum Kanzlerkandidaten kündigte er sein Ausscheiden an.
  • seit 2010 Mitglied des Senats der Deutsche Nationalstiftung.
  • 2011 Mitglied im Kuratorium der Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.
  • Mitglied der Kammer für soziale Ordnung in der [[Evangelische Kirche in Deutschland
  • Stellvertretender Vorsitzender der Helmut-und-Loki-Schmidt-Stiftung